Verfasst von netzwerk neuruppin
Am 09.07. 2011 wollen die so genannten „Freien Kräfte Neuruppin / Osthavelland“ einen Aufmarsch durch Neuruppin veranstalten. Nach den Aufmärschen in 2007, 2009 und 2010 soll dies der vierte Aufmarsch in der Brandenburger Kleinstadt werden, der von dieser Kameradschaft organisiert wird. Angemeldet ist das Event als Demonstration unter dem Motto „Vom Schuldkult zur Mitschuld – Hör zu! Sieh hin! Mach`s Maul auf!“. Der Neonazi-Freundeskreis bewegt sich seit 2006 im organisierten neonazistischen Milieu und tritt seit 2009 öffentlich unter den Namen „Freie Kräfte Neuruppin/ Osthavelland“ auf.
Seit der ersten Neonazi-Demonstration dieser Organisation in 2007 nimmt die Zahl der rechten Demonstrations-Teilnehmer stetig zu. Waren es in diesem ersten Jahr lediglich 60 Nazis, demonstrierten im März 2010 schon etwa 300, darunter Anhänger der NPD und auch andere Kameradschaften. Auch für den diesjährigen Aufmarsch ist mit einer Steigerung der TeilnehmerInnen zu rechnen. Denn die Nazidemos welche mit enormer Polizeigewalt, trotz massiver Proteste der Neuruppiner Bürgerinnen und Bürger, durchgesetzt werden, verbuchen die Neonazis als Erfolg.
Der Protest Neuruppiner Bürgerinnen und Bürger gegen den Neonaziaufmarsch hat einen langen Atem und ist entschlossen. Bei dem ersten Naziaufmarsch 2007 erfuhren die Neuruppiner nur zwei Tage vor dem geplanten Aufmarsch, dass Neonazis durch ihre Stadt marschieren wollen. Dennoch haben sich mehr als 800 Gegendemonstranten versammelt und sich den Neonazis in den Weg gestellt. Etwa 200 Bürgerinnen und Bürger haben sich sogar spontan mit einer Sitzblockade den Neonazis in den Weg gesetzt. Nachdem die Sitzblockade von der Polizei mit äusserster Brutalität geräumt wurde, gelang es den Nazigegnern dennoch, während der gesamten Neonazi-Demonstration die rechten Parolen zu übertönen.
Nach einem Jahr Pause meldeten die Neonazis zum Antikriegstag, am 1.9.2009, erneut einen Aufmarsch an. Eine kleine Gegenkundgebung und eine Sitzblockade von rund 25 Antifas zeigten den Neonazis, dass sie unerwünscht sind.
Ein halbes Jahr später marschierten die Neonazis in Neuruppin ein weiteres Mal. Das Aktionsbündnis „Neuruppin bleibt bunt“ veranstaltete in der Innenstadt ein Demokratiefest. Dadurch blieb den Neonazis zum Demonstrieren nur ein umständlicher Weg über Nebenstraßen und Parkplätze bis zu ihrem Kundgebungsort. Eine Sitzblockade von ungefähr 70 Personen schaffte es, den Neonaziaufmarsch für eine Stunde zu verzögern. Die Blockade wurde wiederum brutal von der Polizei geräumt, die Anzeigen gegen die Blockiererinnen und Blockierer wurden eingestellt. Während der durch die Blockade verursachten einstündigen Wartezeit wurden die Nazis äußert aggressiv und bewarfen GegendemonstrantInnen mit Gegenständen aus der Demonstration heraus.
Die Gewalttätigkeit und Aggressivität der Neonazis ist leider nicht auf ihre Aufmärsche begrenzt. Seit dem Sommer 2010 gab es allein 9 Überfälle von Neonazis auf linke Jugendliche in Neuruppin. Dabei war die Vorgehensweise immer die gleiche: zuerst wurden die Betroffenen mit Reizgas attackiert und anschließend mit Waffen wie Quarzhandschuhen und Schlagringen zusammen geschlagen.
Diese Entwicklung kann nicht länger geduldet werden. Lasst uns gemeinsam jeden weiteren Naziaufmarsch in Neuruppin verhindern.
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